Philosophie der Bilder von Ulrike E. Bayer
Die Bilder zeigen fast ausschließlich Menschen, zumeist Frauen, in einer rätselhaften, nur durch die Malerin deutbaren Landschaft - nahezu ein Nirgendwo.
Sowohl die Bilder als auch die Titel lassen die Nähe zum Surrealismus spüren. Ständig wiederkehrende Symbole wirken wie Zeichen und Zeugnisse, die sich - wie schon die Landschaften - einer vordergründigen Deutung verschließen. Diese Bilder sind weder durch althergebrachte noch durch klassisch - psychoanalytische Interpretationen zu erklären; hier liegen Botschaften vor, zu deren Deutung es einen vollkommen anderen Schlüssel braucht - den der Magie!
Sie legt dem Betrachter ihrer Werke vielmehr nahe, sich von dem magisch-erotischem Zauber gefangen nehmen zu lassen, um - auf den Flügeln seiner eigenen Phantasie - in die wundersam-rätselhafte Welt dieser Bilder einzutauchen und so seine eigene, individuelle Beziehung zu dem Werk herzustellen.
Die Zweite, ungleich stärkere Komponente in den Werken der Malerin ist die Erotik. Sie resultiert aus dem ausgeprägten erotischen Selbstbewusstsein der Künstlerin, die - ohne ausgetretene Emanzipations-Trampel-Pfade zu benutzen - das weibliche Prinzip als das eigentlich stärkere an sich und diese Überzeugung noch aus einem sehr wesentlichen anderen Grund vertritt: Sie kennt und schätzt Frauen als Gebärende, körperlich und seelisch stark, also präsentiert sie das ewig Weibliche in vielerlei Beziehung. Die dargestellten Frauen stellen ihre Nacktheit keineswegs verschämt oder kokett zur Schau, vielmehr entsteht der Eindruck von Stärke durch Blöße.
Nie werden die dargestellten Frauen in die Rolle der Schwächeren gedrängt. Die Welt der Malerin ist eine Welt der Frauen, in der Männer nur als fast vergessene Sagengestalten Funktion haben oder als präpotente, zu schützende und trotzdem sehr liebenswerte Knaben auftreten. Nie verdammt oder verteufelt die Künstlerin, gleichwohl ist unübersehbar, welcher Hälfte des Himmels ihre besondere Sympatie gehört und welche sie für die Stärke hält.Sie vermeidet in ihrer Malerei bewusst Kritik an der Jetzt-Zeit, die wahrhaftig nicht die friedlichste und schönste ist und absentiert sich mit Absicht von der Aggressivität der Gegenwart.
Sie umgibt den Betrachter ihrer Werke mit einer Aura des Wohlbehagens und der leisen Verführung und vermittelt uns durch ihre Fabulierkunst einen Blick in eine reizvolle, imaginäre, matriarchalische Welt.
( Wolfgang Fleischer )